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Deutsche Innungsbäcker

Von Bayern nach Singapur – deutsche Backkunst ist weltweit gefragt


"Ich vermisse richtig gutes Brot!" Wer schon einmal für längere Zeit im Ausland war, kennt dieses Gefühl. Nirgends auf der Welt gibt es so viele unterschiedliche Brotsorten wie in Deutschland, von Pumpernickel über Sauerteigbrot bis hin zum Weizenmischbrot.

Kein anderes Land kann mit dem guten Brot der Deutschen mithalten, und so kommt es vor, dass einem bei einem längeren Auslandsaufenthalt oder Urlaub irgendwann etwas fehlt.

Zum Glück gibt es aber auch Bäcker, die es ins Ausland gezogen hat, um dort eine Bäckerei mit typisch deutschen Backwaren zu eröffnen. So beispielsweise auch Raik Aulhorn, der seine Ausbildung in der Bäckerei Hoffmann in Bayern absolvierte und den es dann nach Singapur verschlug.

Porträt Raik Aulhorn

Raik Aulhorn, Bäcker in Singapur

Lieber Herr Aulhorn, warum haben Sie sich dazu entschlossen, nach Singapur zu gehen?

Raik Aulhorn

Anfang 2009, als ich nach Singapur übersiedelte, war ich 32 Jahre alt und hatte bereits in zahlreichen Ländern in Europa sowie in Südafrika und China gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir: „Jetzt oder nie.“ Ich hatte das Gefühl, sobald ich mich niederlasse und eine Familie gründe, würde es viel schwieriger sein, ein solches Abenteuer zu wagen. Also habe ich angefangen, ein bisschen nachzuforschen, und bekam ein Jobangebot von einer Großbäckerei in Singapur. Meine erste Position im Jahr 2009 war die des leitenden Konditors; der Hauptgrund, warum ich für diese Position genommen wurde, war meine Ausbildung zum Konditormeister in Deutschland. Seit 2012 leite ich die Produktion mit 140 Mitarbeitern. Aufgrund meiner deutschen Ausbildung, die im Ausland einen hohen Stellenwert genießt, bekomme ich regelmäßig neue Jobangebote. Ich weiß also nie genau, was als Nächstes kommt.

Das klingt nach einem spannenden Werdegang. Bitte erzählen Sie uns etwas über das Sortiment, das Sie in den Bäckereien in Singapur anbieten.

Raik Aulhorn

Wir haben ein ziemlich breites Sortiment und produzieren neben Broten und Brötchen auch feine Backwaren wie Croissants, Teegebäck, Cookies, Muffins, Biskuitkuchen, Torten, Tartes und Pies. Unseren Kunden möchten wir aber auch Snacks für ihre Mittagspause anbieten und haben daher zusätzlich Suppen sowie warme und kalte Sandwiches. Zum Frühstück bieten wir neben den Backwaren auch Joghurt und Müsli an. Wir haben über 20 Brotsorten in unserem Sortiment: helles und dunkles Roggensauerteigbrot, Dinkelbrot, Ciabatta, Baguette, Kartoffelbrot, Walnussbrot, Vollkornbrot, ein glutenfreies Brot, Laugenbrezeln, Weißbrot, Toastbrot sowie Frühstücksbrötchen. Die Kuchen und Torten sind auch typisch für den deutschsprachigen Raum: diverse Obstkuchen nach Saison, Schwarzwälder Kirschtorte, Sachertorte, Schokoladenkuchen und vieles mehr. Alle Backwaren werden in unserer Zentrale gefertigt und dann an unsere Verkaufsstellen und Cafés ausgeliefert.

Wer kauft bei Ihnen ein?

Raik Aulhorn

Der Großteil unserer Kundschaft kommt sicherlich aus Europa. Das sind hauptsächlich Europäer, die in Singapur als Experten für deutsche oder europäische Unternehmen oder in der Finanzbranche tätig sind. Sie sind aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Frankreich, tatsächlich aus ganz Europa sowie den USA und Australien. Die Kunden kommen aufgrund unserer Vielfalt an Broten und Kuchen. Sie wissen die Frische und die große Auswahl zu schätzen. Im Vergleich zu unseren asiatischen Mitbewerbern positionieren wir uns als europäische Bäckerei, die sich auf Produkte aus Deutschland, der Schweiz und Österreich konzentriert. Sie vermissen die deutsche Backkunst und freuen sich besonders über unsere Brote, die für sie wie ein Stückchen Heimat sind. Allerdings haben wir auch eine erstaunlich hohe Anzahl einheimischer Kunden, die viel in westlichen Ländern gereist sind und den dortigen Lebensstil sowie die kleinen Dinge des Lebens wie Süßigkeiten, das Gebäck oder das Brot zu schätzen gelernt haben. Wir bieten auch eine Reihe von weichen Brötchen und Broten an, die fast alle Asiaten mögen.

Lieber Herr Aulhorn, wenn Sie an die nächste Generation denken, was würden Sie ihr empfehlen? Warum sollte der Bäckernachwuchs wenigstens für eine Weile ins Ausland gehen?

Raik Aulhorn

Wichtig ist es, immer offen und aufgeschlossen zu sein. Man sollte nie aufgeben und nie aufhören, Neues zu lernen, aber auch bereit sein, eigenes Wissen weiterzugeben. Dem Nachwuchs würde ich sagen: „Kommen Sie aus Ihrer Komfortzone heraus, überschreiten Sie Grenzen und stellen Sie sich neuen Herausforderungen. Suchen Sie sich einen Mentor und packen Sie mit an. Übung macht den Meister!“ Als Bäcker hat man die Möglichkeit, überall auf der Welt zu arbeiten. Insbesondere die deutsche Ausbildung wird im Ausland hochgeschätzt und öffnet viele Türen. Nachdem ich nun schon viele Jahre im Ausland arbeite, kann ich sagen, dass man viel über sich selbst lernt. Geduldig zu sein zum Beispiel, aber natürlich auch viel über fremde Kulturen, Länder und Menschen. Neben Musik ist Essen die beste Möglichkeit, sich kennenzulernen und mehr über andere Kulturen zu erfahren. Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln, gute und nicht so gute. Es kommt, wie es kommt, immer positiv denken und niemals aufgeben ist in jeder Lebenslage wichtig!

Verraten Sie uns zum Abschluss noch Ihr Lieblingsrezept?

Raik Aulhorn

Natürlich freue ich mich sehr darüber, eines meiner Lieblingsrezepte mit Ihnen zu teilen. Es ist ein Rezept für Brioche, das sowohl von meinen asiatischen als auch europäischen Kunden gleichermaßen gerne gegessen wird.

Lieblingsrezept für Brioche von Raik Aulhorn

Brioche

Für ca. 2 Brote à 500 g oder 13 Brötchen à 80 g

Zutaten

500 g

Weizenmehl Type 550

30 g

frische Hefe

150 ml

Milch

140 g

Eigelb

60 g

Zucker

8 g

feines Salz

220 g

weiche Butter

  1. Hefe mit etwas warmer Milch und Zucker verrühren.
  2. Mehl, Salz und Eigelb hinzugeben. Kneten Sie den Teig auf der niedrigsten Stufe Ihres Handrührgeräts gut durch.
  3. Schneiden Sie die Butter in Würfel und kneten Sie diese nach und nach unter, bis ein glatter Teig entsteht.
  4. Lassen Sie den Teig über Nacht im Kühlschrank gehen. Kneten Sie ihn am nächsten Tag noch mal kurz durch und lassen Sie ihn nochmal 1 bis 2 Stunden ruhen.
  5. Legen Sie ein Backblech mit Backpapier aus und portionieren Sie den Teig entweder in zwei gleich große Brote à 500 g oder ca. 13 Brötchen à 80 g.
  6. Backen Sie die Brioches bei 200 Grad für ca. 20 bis 50 Minuten, die Backzeit ist abhängig von der Größe der einzelnen Brioches.

Der Artikel "Von Bayern nach Singapur – deutsche Backkunst ist weltweit gefragt" erschien am 4.1.2017 auf www.innungsbaecker.de.

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