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Nahrung für die "Seelen"


Über die Bedeutung von Brot im Totenkult

Als typisch schwäbisches Alltagsgebäck gilt die Seele: Ein längliches, in der Regel mit Kümmel und Salz bestreutes Weißbrotgebäck, das vor allem in Schwaben, Württemberg, im Bodenseekreis, aber auch im Allgäu verbreitet ist. Nur der ungewöhnliche Name erinnert noch daran, dass es sich ursprünglich um ein Festtagsgebäck handelte, das zu Allerseelen (2. November) gebacken und verschenkt wurde.

 

Noch heute kennen wir den Brauch, dass im November die Gräber besonders geschmückt und Grablichter aufgestellt werden, die das ewige Leben symbolisieren sollen. Das sind sozusagen die Reste eines Totengedenkens, das weit in die vorchristliche Zeit zurückreicht.

Ihm lag die Vorstellung zu Grunde, dass die Verstorbenen jedes Jahr an der Wende vom Herbst zum Winter aus ihren Gräbern kommen und von den Lebenden Speiseopfer verlangen. Im Gegenzug versprachen sich die Hinterbliebenen von ihren Ahnen einen wirkungsmächtigen Segen für die Ernte des kommenden Jahres.

Die Einführung des Allerseelentages durch die Kirche im Jahr 998 hatte offensichtlich den Sinn, dieses Totengedenken in einen christlichen Rahmen zu spannen. Viele Brauchformen wurden jedoch beibehalten und weitergeführt. Vor allem die Speiserituale, also die Bewirtung der Ahnen oder „Armen Seelen“. Brot und Wein wurde als Totenspeisung auf die Gräber gestellt; Grundnahrungsmittel, die als Symbol für das Leben schlechthin galten. Gleichzeitig entwickelte sich der Brauch, Seelenbrote an die Armen auszuteilen. Und an Allerseelen beschenkten schließlich auch die Paten ihre Patenkinder gerne mit besonders geformten Gebäcken.

Speiseopfer spielen im Totenkult vieler Kulturen eine wichtige Rolle. Schon in der Antike bei den Griechen und Römern gab es alljährliche Gedenkfeiern, zu denen sich die Familien der Verstorbenen am Grab versammelten, um dort gemeinsam zu essen und zu trinken. Der Tote erhielt dabei immer einen Teil der Speisen als Opfer. In der Vorstellung der alten Ägypter mussten die „Seelen“ auch im Jenseits genährt werden, um ein Weiterleben nach dem Tod zu ermöglichen. Die Toten waren daher darauf angewiesen, dass die Lebenden sie mit Nahrung versorgten. War dies nicht möglich, sollten Grabbeigaben wie Bildreliefs, Hausmodelle oder Dienerfiguren auf magische Weise die Versorgung der Toten garantieren. So erklärt sich auch das Modell einer Bäckerei, das in einem ägyptischen Grab gefunden wurde.

 

Bäckerei Traublinger Heinrich Traublinger

(V. L. N. R.): Opferteller, Griechisch, 5. H v. Chr.; Modell Bäckerei, Grabbeigabe, Mittleres Reich, ca. 2137-2000 v. Chr.

Der Artikel "Nahrung für die „Seelen“ - die Bedeutung von Brot im Totenkult" erschien am 21.10.2020 auf www.innungsbaecker.de.

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