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Aachener Printen
Weihnachtsklassiker mit einer Prise Geheimnis


Das Repertoire der herb-süßen Lebkuchen made in Aachen ist vielfältig. Manche lieben sie klassisch bissfest, andere bevorzugen die weiche Variante. Vor allem in der Weihnachtszeit schmücken Aachener Printen unsere Kaffeetafeln.

Aachener Printen

In der Backstube an der Aachener Franzstraße herrscht in diesen Wochen Hochbetrieb. Andreas Klein und sein Team backen Printen quasi im Akkord.

Ob mit Mandeln, Haselnüssen, Zuckerguss weißer oder dunkler Schokolade: In Körben und Kisten stapeln sich im Stammhaus der Traditionsbäckerei die Leckereien in den verschiedensten Formen und Größen. An dem Rezept wurde seit über 100 Jahren nichts verändert. Die Zutatenliste geht auf Andreas Kleins Urgroßvater zurück. Peter Klein legte im Jahr 1912 den Grundstein für das Unternehmen.

Zunächst betrieb die Familie eine ganz herkömmliche Bäckerei, in der vor allem Brot und Brötchen angeboten wurden. Vor knapp 20 Jahren fiel dann die Entscheidung, sich auf ihr stärkstes Produkt zu konzentrieren. Seitdem stellen die Kleins nur noch Printen her. Heute, in der vierten Generation, ist der Familienbetrieb die einzige reine Printenbäckerei Aachens.

Um original Aachener Printen herzustellen, werden lediglich folgende Zutaten benötigt: Dunkles Weizenmehl, Kandis, Farinzucker und Zuckersirup. Außerdem Gewürze wie Nelken, Zimt, Koriander und Anis. „Das Mengenverhältnis der Gewürzmischung hüten wir wie ein Geheimnis. Nur meine Eltern und ich kennen es.“, sagt der 37-jährige Geschäftsführer. Und er erklärt: „Unsere Printen sind, bis auf die mit Vollmilch- und weißer Schokolade, vegan und laktosefrei.“

Wenn die Teigmaschine die Zutaten miteinander vermengt hat, ruht der Teig erst einmal bei Raumtemperatur zwei Tage lang. So können die Gewürze ihr volles Aroma entfalten. Anschließend wird kräftig geknetet. Die Masse gelangt dann über einen Trichter in die Printenmaschine. Der Teig läuft über eine Formwalze, heraus kommen rechteckige Stücke, die nach und nach auf mehreren Backblechen landen. Wenn es Hartprinten werden sollen, wandern sie direkt in den Backofen. Hier werden sie zwischen 15 und 20 Minuten bei 200 Grad Umluft gebacken. Nach dem Abkühlen wird das Gebäck noch mit einer Glasur aus geröstetem Kartoffelmehl und Wasser bestrichen. Sie sorgt für einen appetitlichen Glanz.

Auch wenn die Hartprinte der eigentliche Klassiker ist, macht sie ihrem Namen wortwörtlich alle Ehre. Um ihre Zähne zu schonen, greifen viele Genießer dann doch lieber zur Weichprinte. Damit die Printe schön geschmeidig wird, kommt sie nach dem Backen für eine Woche in eine Kammer mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Nach diesem Prinzip funktioniert auch ein Trick, den viele Hobbybäcker kennen dürften: Hartes Gebäck in einer Blechdose wird durch Zugabe frischen Brotes oder eines Apfelstücks softer. Damit die Printen auch schön weich bleiben, werden sie mit flüssiger Zartbitter-, Vollmilch oder weißer Schokolade überzogen und somit isoliert.

Doch woher stammt eigentlich der Begriff „Printe“?

Das Wort leitet sich ab vom englischen „print“ und dem niederländischen „prent“, was zu deutsch „drucken“ heißt. Dieser Vorgang bezieht sich auf die Verwendung von kunstvoll geschnitzten Holzmodeln zur Herstellung des Gebäcks. Bei diesem Verfahren drückten Aachener Bäcker vor 350 Jahren ihren mit Rohrzucker angerührten Teig in eine Form, so dass nach dem Ablösen das Relief des Models zurückblieb. Auch in Kleins Printenbäckerei kommen heute noch gelegentlich alte Holzmodelle zum Einsatz, allerdings nur für ganz große Printen.

Printen sind ein Saisongeschäft. Auch wenn die Aachener ihre Lieblingsbackwaren das ganze Jahr über genießen, sind sie für die meisten Menschen anderswo vor allem ein Weihnachtsgebäck. Deshalb haben die Kleins von September bis Weihnachten besonders viel zu tun. Sie versorgen ihre drei Niederlassungen und die Stände auf den Weihnachtsmärkten in der Region, um sie mit frischen, handgefertigten Lebkuchen einzudecken. Wer es nicht in den Westen Nordrhein-Westfalens schafft, kann das ganze Jahr über Printen auch online bestellen. Andreas Klein hat sich schon in den 90er Jahren die simple, aber eindringliche Internet-Domain „printen.de“ gesichert. Hier boomt besonders vor Weihnachten das Online-Geschäft. Bestellungen kommen aus der ganzen Welt, doch Deutschland ist nach wie vor der Hauptmarkt. Verschickt werden die Printenvariationen in Metalldosen oder Schmuckkartons.

Auch in vielen anderen Bäckereien werden jetzt vermehrt Printen angeboten. Unser Bäckerfinder informiert Sie darüber, wo sich in Ihrer Nähe Innungsbäckereien befinden.

Der Artikel "Aachener Printen" erschien am 19.12.2019 auf www.innungsbaecker.de.

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